Das ehrbare Institut

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Im Dezember hatte ich eine Mail an das Institut für Palästinakunde geschrieben und um die Beantwortung von 7 Fragen gebeten. Nun, bis Heute habe ich keine Antwort erhalten und denke der Grund für das Schweigen dürfte darin begründet sein, dass Herr Siemon sehr viel zu tun hat wenn es darum geht, wacker für die Menschenrechte zu streiten.

Eike Geisel schrieb in einem Beitrag (1993 erschienen im Konkret) unter dem Titel „Der hilflose Antisemitismus,“ über die Tagung der GEW 1992 in Hamburg und Norman Paech:

„Von der „Aura der Kollektivschuld“ erlöst, hatte er schon Mitte der 60er Jahre persönlich ein Ziel erreicht, dessen allgemeine Verwirklichung die „Nationalzeitung“ noch immer einklagt. Die Leiden der Palästinenser vor Augen, konnte er aus dem Schatten Hitlers heraustreten. Nun war er frei für eine neue kollektive Aufgabe ganz eigener Art, nämlich für die des Bewährungshelfers. Und wie viele andere Absolventen des Bildungsurlaubs im Nahen Osten entdeckte er eine exklusive Fürsorgepflicht der Deutschen für Israel.“

Beim Institut für Palästinakunde geht es offensichtlich ähnlich zu, nämlich um das Recht der Deutschen, frei von jeglicher Schuld den Israelis Nachhilfe in Sachen Menschenrechte zu erteilen, ja, man fühlt sich geradezu moralisch verpflichtet Israel zu erklären, wie die gefälligst ihren Staat zu führen haben, damit es dem Deutschen, in diesem Fall Herrn Siemon und Frau Vetter, keine Magenschmerzen bereitet wenn sie, unter täglich hunderten Meldungen über die Verletzung der Menschenrechte Weltweit, eine Randnotiz über Israel lesen müssen, die ihnen die Magensäure hochsteigen lässt. Natürlich sind sie für die weltweite Einhaltung der Menschenrechte, aber sie können sich ja nicht um alles kümmern und irgendwo muß man ja auch Prioritäten setzen und es ist nunmal einfacher Israel zu kritisieren, als beispielsweise die Menschenrechte in 2-format6001Russland anzusprechen. Vor allem denkt man man wäre ein Tabubrecher denn gerade „wir als Deutsche,“ müssen im Hinblick auf die Geschichte vorsichtiger sein. Warum man dann nicht auf die Menschenrechtslage der Sinti und Roma aufmerksam macht, schließlich wurden 500.000 von ihnen während der NS-Zeit ermordet, erschließt sich einem nicht wirklich. Man könnte sich auch um die Homosexuellen in anderen Ländern kümmern, denn nimmt man die deutsche Geschichte als Rechtfertigung für Israelkritik, dann hätte man ein reichhaltiges Betätigungsfeld. Leo Pinsker schrieb mal, „Die Judophobie ist eine Psychose. Als Psychose ist sie hereditär, und als eine seit zweitausend Jahren vererbte Krankheit ist sie unheilbar.“ Genauso verhält es sich auch mit der Israelkritik. Wie gesagt, es gäbe für Leute wie die Mitglieder vom Institut ein reichhaltiges Betätigungsfeld, sei es nun als Ausarbeitung der Geschichte, oder als Advokat der Menschenrechte, aber darum geht es ihnen und all den Solidaritätskomitees für Palästina gar nicht. Ihre Solidarität ist nur vorgeschoben, gäbe es den Nah-Ostkonflikt nicht, ich bin überzeugt würden sie einen anderen Grund finden.

„Der Antisemitismus … ist keine Doktrin, die kritisiert werden kann, sondern eine Haltung, deren soziale Wurzeln so geartet sind, daß sie keine Begründung erfordert. Man kann ihm keine Argumente entgegensetzen, denn er ist mit einer Reaktionsart verbunden, der die Beweisführung als Denkart fremd und verhaßt ist. Er ist ein Mangel an Kultur und Menschlichkeit, etwas, was im Gegensatz zu Theorie und Wissenschaft steht. Davon hat sich jeder überzeugt, der Gelegenheit hatte, mit einem Antisemiten eine jener hoffnungslosen Diskussionen zu führen, die immer dem Versuch ähneln, einem Tier das Sprechen beizubringen.“ -Leszek Kołakowski, polnischer Philosoph, „Die Antisemiten“ aus dem Buch „Der Mensch ohne Alternative“

Nun ist die Begründung der Meisten dass sie von der Geschichte gelehrt wurden, dass sich sowas wie 33-45 nie wiederholen darf, warum sie sich dann zu Bewährungshelfern mit Judenknacks aufschwingen, das erklärt die Geschichte nicht und auch die Begründung fehlt. Her Siemon schwang sich im letzten halben Jahr zu einem wackeren Verteidiger des BDS auf und nachdem der Landtag in NRW sich dazu entschloss dem BDS sämtliche Unterstützung zu verweigern, da sah er rot und fühlte sich genötigt dem Landtag vorwerfen dass dieser, mit seiner Entscheidung, den Antisemitismus fördern würde. Ich musste, ich gestehe, seine Ergüsse mehrfach lesen, aber der Mann wirft allen Ernstes dem Landtag vor, dass er, falls er nicht von seiner Entscheidung abrückt Schuld am Antisemitismus trägt. Das ganze Pamphlet ist ein Sammelsurium aus gängiger Antisemitischer Verschwörungslektüre und den üblichen Argumenten die aus dieser Ecke regelmässig, wie eine Platte mit einem Sprung, vorgetragen werden:

„Die Beschlüsse sind in dreifacher Hinsicht antisemitisch:
1. Sie missbrauchen die sechs Millionen von den Deutschen während des zweiten Weltkriegs ermordeten Juden.
2. Sie attackieren die Überlebenden bzw. deren Nachfahren, die Auschwitz als Auftrag verstehen zu verhindern, dass jemandem – gleich welcher Abstammung – jemals etwas auch nur ähnlichdes widerfahren dürfe.
3. Sie beschwören neuen, echten Antisemitismus herauf.

Ad 1. Es ist antisemitisch die Millionen von den Deutschen während des zweiten Weltkriegs ermordeten Juden zu Kronzeugen israelischer Politik zu machen; antisemitisch, die wehrlosen Toten posthum für Israels verbrecherische Politik gegen die Palästinenser in die Verantwortung zu nehmen.
Ad 2. Es ist antisemitisch die diesem Verbrechen entgangen Juden, deren Empathie nicht an den Grenzen der eigenen Abstammung, Konfession oder Kultur endet – und die sich nicht von Israels Nationalisten vereinnahmen lassen wollen als Antisemiten (als „Selbsthasser“) zu verleumden und ihnen das Wort zu verbieten.
So ähnlich, wie dass ihre Eltern oder Großeltern schon einmal erleben mussten, weil sie von den Herrschenden aus der „deutschen Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen wurden.
Ad 3. Nicht unmittelbar antisemitisch, aber Antisemitismus herauf beschwörend ist der Versuch der Beschlüsse, jene, die vollkommen legitime Kritik an israelischer Politik äußern, im Namen vermeintlich jüdischen Interesse, mit dem Ruin durch die Stigmatisierung als Antisemiten zu bedrohen. Denn diese illegitime, scheinbare Privilegierung von Juden gibt unvermeidlich antisemitischen Verschwörungstheorien neuen Raum.
Dazu kommt, dass der mit den Beschlüssen einhergehende Rassismus auch antijüdische Ressentiments unter jenen herauf beschwören wird, für die es sich qua ihrer Identität als Palästinenser, Araber oder Muslim anbietet, sich mit den Palästinensern in Israels Gewalt zu identifizieren.
All dies schafft Unsicherheit oder Angst unter den hier lebenden Juden, die in niemandes Interesse sein kann.“

Das einzige was man sagen kann ist, dass diese Leute sich AFD-Positionen zu Eigen machen, beziehungsweise eine Querfrontsicht darlegen dass es einem Ken Jebsen die Tränen in die Augen treibt –„wenn Ihr nicht den Beschluss aufhebt, dann seid Ihr Schuld wenn die in Deutschland lebenden Araber Jagd auf die Juden machen.“– Natürlich darf auch der Hinweis auf das Grundgesetz nicht fehlen, wobei sich mir nicht erschliesst was das Grundgesetz mit dem Existenzrecht des Staates Israel zu tun hat oder mit einer Unterstützung, beziehungsweise Nicht-Unterstützung des BDS. Wer den antisemitischen Charakter dieser Organisation in Frage stellt und die Intention nicht begreift, der sollte lieber schweigen. Die Ziele der Organisation sind eindeutig festgelegt und mittlerweile wehren sich die armen Palästinenser mit Händen und Füßen von dieser Organisation vereinnahmt zu werden, warum man das nicht begreifen will, das erschließt sich mir nicht. Bis Heute erklären diese Leute nicht wo die Apartheid in Israel statt findet; Omar Barghuti, der Gründer, lebt unbehelligt in Israel. Er kann, im Gegensatz zu den schwarzen Südafrikanern unbehelligt in’s Ausland reisen und dort seine Antiisraelische Propaganda betreiben. Araber in Israel haben die gleichen Rechte und Pflichten wie jüdische Israelis. Nun mag es zu Vorfällen kommen, aber Israel ist ein Staat wie Deutschland es auch ist. In der Knesset sitzen neben arabischen Parteien mit rein arabischen Mitgliedern, arabische Abgeordnete die beispielsweise im Likud, Kadima, Awoda, Meretz, HaMaḥane HaẒioni (Zionistische Union 2019 aufgelöst) ihre Heimat finden. Mir sind keine schwarzen Südafrikaner bekannt die unter der Apartheid im Parlament unter Pieter Willem Botha saßen, die Apartheidsgesetze schlossen dies aus. Wenn BDS der Meinung ist dass Fatah und Hamas auch ein Recht auf einen Sitz in der Knesset haben, dann sollten sie vielleicht mal nachfragen, wann die letzen Wahlen im Gaza und der Westbank waren und wann ein neuer Präsident Palästinas gewählt werden sollte. Fragt man sie, dann erhält man nie eine Antwort oder die Aussage, man könne auf Grund der israelischen Besatzung nicht wählen. Warum das vorher möglich war erklären sie nicht.

Ich habe auf meine Frage wie man es mit den Palästinensern in Sabra, Shatila (Libanon) und Yarmuk hält nur ein mal eine Antwort bekommen. Man habe gehört von einem Bekannten der sagte, die Lage in Yarmuk sei nicht besonders, aber das wäre nichts im Vergleich zu den Bedingungen in der Westbank oder im Gaza. Für mich klang das so, als wäre mit dem Messer aufschlitzen weit weniger schlimm als eine Ohrfeige. In dem Moment taten mir die Palästinenser unendlich leid, weil wenn man diese Form von Unterstützung hat, dann weiss man man ist verloren.

Mehrfach wollte ich auch von diesen Leuten wissen warum die Araber keinen Staat gegründet haben und den Teilungsbeschluss ablehnten. Mehrfach gab es Treffen zwischen zionistischen und arabischen Führern, das zu leugnen heißt, dass man die Geschichte des Nahen Ostens nicht kennt. Mehrfach wurden Übereinkünfte erzielt und dann wieder abgelehnt. 1947 lehnte der arabische Block den Teilungsplan der UNO ab. Nach dem Unabhängigkeitskrieg (1948) besetzten Jordanien und Ägypten Westbank und Gaza. In der ganzen Zeit, bis 1967, machten beide Seiten keine Anstalten den Bewohnern eine Souveränität einzuräumen, ja man machte sich nicht mal die Mühe, als die Regierung Eshkol den Arabern die besetzten Gebiete anbot, überhaupt darüber nachzudenken. Wer die berühmten „3 Neins“ von Khartoum nicht kennt und das auch nie hinterfragt hat, der sollte sich eigentlich bei Kritik an Israel zurückhalten. Übrigens, eine Antwort auf meine Frage habe ich da nie erhalten.

Was mich an Leuten wie Siemon stört, dass ist dieses bräsige, spießbürgerliche, moralingesäuerte Ausweichen. Als ich noch in Deutschland lebte, da hatte ich öfters das zweifelhafte Vergnügen Antisemiten kennenzulernen, bzw. mit ihnen zu diskutieren. Egal welcher Nationalität, diese Leute eint das bedingungslose Ablehnen ein Antisemit zu sein, sondern nur „Israelkritisch.“ Sie machen den Zentralrat der Juden, oder Juden allgemein für das erstarken des Antisemitismus verantwortlich und merken nicht, dass sie die idealen Bürger gewesen wären.  Leute die wie Siemon den Juden, oder Israelis die Schuld für den anwachsenden Antisemitismus in Europa geben und dann noch unschuldig sagen, “ na, die müssen doch irgendwas gemacht haben, man mag doch diese Leute nicht ohne Grund.“ 

Ps.: Falls irgendjemand einem Mitarbeiter von diesem Institut über dem Weg läuft, wäre er dann so freundlich und würde diesem die UN Resolution 181 so lange um die Ohren hauen bis es bei ihm im Kopf klingelt? Dann würde sich die dämliche Nachfrage erübrigen wo denn das Existenzrecht Israels festgeschrieben ist, dann würde sich das auch mit dem Grundgesetz erledigen, was er sich in diesem Fall dahin hinschieben kann, wo die Sonne nicht hinscheint, denn es ist auf Deutschland beschränkt, steht auch in der Präambel: Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,
von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk,“ aber ich weiß schon, „am deutschen Wesen mag die Welt genesen.“

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